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Mit dem Fahrstuhl ins All
Martin Schmid ist alles andere als ein Schwärmer. Dafür ist der Business Manager Carbon Nanotubes (CNT) bei Bayer MaterialScience viel zu sehr nüchterner Kaufmann. Aber wenn er von seinen Visionen erzählt, ist der 47-Jährige, der für den Aufbau des globalen CNT-Geschäftes verantwortlich ist, kaum mehr zu bremsen: „Den Kohlenstoff-Nanoröhren stehen nahezu alle Anwendungsgebiete offen, in denen Werkstoffe mit ungewöhnlichen Materialeigenschaften gefragt sind. Unter anderen müssen sie leicht sein und trotzdem hart im Nehmen.“
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| Das finnische Unternehmen Montreal Sports setzt im Nitro Lite-Eishockeyschläger mehrwandige Kohlenstoff-Nanoröhren (Baytubes®) von Bayer MaterialScience. Die winzigen Röhrchen machen den Profi-Schläger praktisch unverwüstlich. |
Mit diesen Werkstoffen rückt das „Alles-ist-möglich“-Denken heute in greifbare Nähe. Schmid gehört zu den Visionären, die sich in bislang kaum vorstellbare Dimensionen vorwagen. Über zwei Kilometer hohe Wohnanlagen wie die Mega-City-Pyramide, die in der Bucht von Tokio errichtet und Adresse für rund 750.000 Menschen werden soll, könnten alsbald mit Hilfe der Carbon Nanotubes Wirklichkeit werden. Das bislang höchste Wohngebäude der Welt, der sich im Bau befindliche Burj in Dubai, mutet mit seinen geplanten 700 Metern dagegen eher bescheiden an. „Heute scheitern große Höhen an den mechanischen Eigenschaften der Baustoffe“, sagt Schmid. Beton, wie er heute üblicherweise verwendet wird, sei nur begrenzt belastbar. Nanoröhren könnten dieses Manko ausgleichen. Schmid: „Sie sind fester als Baustahl und könnten somit einen großen Beitrag zur Leichtbauweise leisten.“
Ein weiteres Zukunftsthema, das den Experten für winzige Röhrchen immer wieder aufs Neue fasziniert, ist der Fahrstuhl ins All. Eine verrückte Idee – das gibt auch Schmid unumwunden zu. Doch seit die NASA den Traum eines Space-Lifts mitträumt, rückt sie immer mehr in den Fokus des Interesses.
Entscheidend ist das Gewicht des Aufzugseils, das mehrere zehntausend Kilometer lang sein muss. Ein stählernes Förderband zerreißt schon bei einer Länge von weniger als zehn Kilometern unter der Last des Eigengewichts. Die Idee: Ein Trägerriemen aus den extrem leichten, reißfesten Kohlenstoff-Nanoröhren, an dem auf- und absteigende Roboter Frachten befördern.
Mit einigen Tonnen seiner Winzlinge hat Visionär Schmid jedoch das Reich der Träume bereits verlassen. Die Baytubes® müssen sich in der harten Realität bewähren: Eishockeyschläger, die mit diesen Kohlenstoff-Nanoröhren versetzt sind, zeigen auch nach hunderten von Slapshots – den brachialen Volltreffern aus dem hinteren Spielfeld-Drittel – keine Spur von Ermüdung.
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| Hält auch den stärksten Schlag aus: der Goldhammer. In dem Baseball-Schläger sind die Kohlenstoff-Nanoröhrchen Baytubes® von Bayer MaterialScience integriert. |
Mittlerweile sind die Carbon-Nanotubes-Experten aus dem Schmid-Team gefragte Ansprechpartner der Sportausrüster. „Wir unterstützen unsere Kunden mit unserem Polymer-Know-how bei der Einarbeitung der Baytubes® in verschiedene Kunststoffe für Sportgeräte“, sagt Martin Schmid. Baseball- und auch Tennis-Schläger erhalten durch die winzigen Röhrchen eine größere Stabilität beim Schlag. Skistöcke sind dank der Nanotubes 30 Prozent steifer und sechs Prozent leichter als konventionell hergestellte Stöcke. Doch damit nicht genug. Schmid will mehr Aufmerksamkeit für die großen Vorteile seiner kleinen Röhren. Dazu braucht er Unterstützung. Und die könnte aus einer bundesweiten Initiative kommen. „Geplant ist ein Zusammenschluss industrieller CNT-Marktteilnehmer mit dem Ziel, gemeinsam mehr Anwendungsbeispiele für Carbon Nanotubes zu entwickeln“, sagt Schmid. Mit über 20 Partnern ist er derzeit im Gespräch. Wäre doch gelacht, wenn sich seine große Vision von den kleinen Röhrchen nicht verwirklichen ließe.
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